Das ist mir wichtig: Andere mitmachen lassen, wenn sie wollen!

Im Jahr 2015 hat das Integrationsamt des Landschaftsverband Rheinland (LVR) mit 49,7 Millionen Euro (Vorjahr: 47,6) die Beschäftigung schwerbehinderter und gleichgestellter Menschen im Rheinland unterstützt. 1348 Menschen (Vorjahr: 1156) mit Behinderung ist die Tätigkeit auf einem sozialversicherungspflichtigen und tarif- bzw. branchenüblich entlohnten Arbeitsplatz ermöglicht worden. Das ist dem Jahresbericht 2015/2016 dieses Amtes zu entnehmen.

In 12.425 Fällen (Vorjahr: 11.575) leisteten das LVR-Integrationsamt und die

In diesem hohen Gebäude, das übrigens bald abgerissen wird, weil es den modernen Anforderungen an ein Bürohaus nicht mehr entspricht, befindet sich das Integrationsamt: Köln, Ottoplatz
In diesem hohen Gebäude, das übrigens bald abgerissen wird, weil es den Anforderungen an ein modernes Bürohaus nicht mehr entspricht, befindet sich das Integrationsamt des LVR: Köln, Ottoplatz. Foto: Archiv

rheinischen Fachstellen für behinderte Menschen im Arbeitsleben finanzielle Leistungen an Arbeitgeber für die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen.

Professor Dr. Angela Faber, LVR-Dezernentin für Schulen und Integration, stellt fest: „Die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung ist im Rheinland (2015) auf 5,4 Prozent gestiegen. Es wurden rund 6000 schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen mehr als im Vorjahr bei beschäftigungspflichtigen Arbeitgebern beschäftigt. Die steigende Akzeptanz der Arbeitgeber wirkt sich hier positiv aus. Fast 26 Prozent der Arbeitgeber im Rheinland erfüllen ihre Beschäftigungsquote“, so Faber weiter.

Zwischenruf: Die anderen kaufen sich frei, das muss hier angemerkt werden und ist im Grunde ein unhaltbarer Zustand, zumal im neuen Bundesteilhabegesetz (das noch nicht in seiner endgültigen Fassung vorliegt) noch immer keine ausreichend hohen Summen für das „Freikaufen“ verlangt werden. 

Ein Schwerpunkt der Arbeit des LVR-Integrationsamtes war 2015 die Schaffung neuer Arbeits- und Ausbildungsplätze. Private und öffentliche Arbeitgeber haben Zuschüsse zu den Investitionskosten von über 300 neuen Arbeits- und Ausbildungsplätzen in Höhe von fast drei Millionen Euro erhalten.

Insgesamt 130 neue Arbeitsplätze sind in Integrationsprojekten entstanden, zehn Projekte wurden neu gegründet. Zudem sind rund 1,4 Millionen Euro für rein investive Maßnahmen zur Schaffung von behinderungsgerechten Arbeitsplätzen an Integrationsprojekte geflossen.

Die künftigen Herausforderungen sieht Christoph Beyer, Leiter des LVR-Integrationsamtes, vor allem durch die kommenden Arbeitsplatzanforderungen in der Industrie 4.0: „In ein paar Jahren werden mehr Maschinen miteinander kommunizieren als Menschen. Für Menschen mit und ohne Behinderung kann die technische Entwicklung Vorteile wie Nachteile bringen. Fest steht, dass sich neue Möglichkeiten zur individuellen Unterstützung für Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben eröffnen. Das LVR-Integrationsamt steht sowohl den Menschen mit Behinderung als auch ihren Arbeitgebern als verlässlicher Ansprechpartner zur Verfügung.“

Zum Hintergrund: Im Rheinland leben fast 926.000 Personen mit einer Schwerbehinderung – rund 7000 mehr als bei der letzten Erhebung im Jahr 2013. Rund 90 Prozent der schwerbehinderten Menschen im Rheinland sind älter als 45 Jahre. Den höchsten Anteil der schwerbehinderten Menschen an der erwerbstätigen Bevölkerung hat die Altersgruppe der 45- bis 55-Jährigen mit fast zwölf Prozent.

Der Jahresbericht 2015/2016 des LVR-Integrationsamtes ist als Broschüre oder als PDF-Datei im Internet kostenlos erhältlich: www.publikationen.lvr.de

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Das LVR-Integrationsamt teilt über sich selbst mit: Es . . .

. . . ist für einen Großteil der Aufgaben der beruflichen Teilhabe schwerbehinderter und gleichgestellter Männer und Frauen zuständig. Es erledigt seine Aufgaben in enger Zusammenarbeit mit den 38 rheinischen Fachstellen für behinderte Menschen im Arbeitsleben. Schwerpunkte sind die Beratung von Arbeitgebern und schwerbehinderten Menschen bei der richtigen Arbeitsplatzauswahl sowie die behindertengerechte Gestaltung von bestehenden Arbeitsplätzen und deren finanzielle Förderung.

Darüber hinaus initiiert das LVR-Integrationsamt auch regionale Arbeitsmarktprogramme. Alle Leistungen werden ausschließlich aus den Mitteln der Ausgleichsabgabe finanziert. Diese müssen Arbeitgeber zahlen, die der Beschäftigungspflicht nicht oder nicht vollständig nachkommen. (Sie ist – wie schon erwähnt – zu niedrig und sollte krass höher ausfallen).

Zur Info: Was ist die Ausgleichsabgabe?

Kurdische Familien demonstrieren

Kurden Aachen
Kurden demonstrieren in Aachen.

Mit Kind und Kegel unterwegs waren am gestrigen Sonntag wieder kurdische Familien. In Aachen demonstrierten sie, um auf die schreckliche Lage ihrer Landsleute im Nahen Osten aufmerksam zu machen. Dort werden ihre Kämpfer von der türkischen Armee beschossen, wenn man den Berichten in deutschen Medien glauben darf.

Dass sie in Aachen mit vielen Kleinkindern auf die Straße gehen, bedeutet: Sie vertrauen darauf, dass ihnen in Deutschland, also zumindest in Aachen nichts passiert. Sie wissen, dass alles friedlich bleibt. In der Tat waren gestern am frühen Abend viele, aber nicht übermäßig viele Polizisten vor Ort, auch Polizistinnen. Es ist schön, in einem Land zu leben, wo man demonstrieren kann und nicht befürchten muss, aus einem Hinterhalt  heraus plötzlich niedergeschossen zu werden.

Die Lage dieses Volkes, dessen Politiker auch noch untereinander massiv zerstritten sind, ist seit Jahren eine einzige Katastrophe. Sie sollten mMn in einem Teilstück des heutigen Syrien ihren eigenen Staat gründen dürfen. Genau das wird die Türkei, wird Erdogan mit aller Macht zu verhindern versuchen. Das Kämpfen und Sterben wird noch lange weitergehen.

Zeit für Salsa, Online-Verkäufe und mehr

In den Ferien ist oft Zeit für Aktivitäten, die sonst zu kurz kommen. So habe ich angefangen, allerlei Sachen, die ich gar nicht mehr brauche, zu verkaufen, via Netz natürlich. Und das geht auch bisher ganz gut. Aktuell habe ich ein Küchengerät aus alter Zeit abzugeben. 30 Euro, und dieser formschöne Fleischwolf mit allem drum und dran gehört mir nicht mehr. (update: Nach etwa 400 Klicks auf diesen Text hat sich noch kein einziger Fleischwolf-Interessent gemeldet. Frust)

moulinex Aachen

Drei Tage lang konnte man sich jetzt in Hof und Garten des Ludwig Forums für Internationale Kunst (s. Foto unten) bei der 2. Auflage eines Festivals namens Kimiko amüsieren. Und unter anderem vegane Burger essen. Die sind zu meiner Überraschung sogar extrem lecker und normalerweise mittwochs im „Lolaparoli“ (Friedrichstraße/Ecke Lothringer Straße) zu haben. Dort gibt es ausschließlich vegane Speisen, über die ich bisher immer arrogant gelacht habe.  –  Das privat organisierte Kimiko ist ein Gewinn auch insofern, als das städtische September Special wegen allzuviel Mainstream recht langweilig daherkommt.

Kimiko Aachen

Mal sehen, ob da für mich ne Wohnung dabei ist, dachte ich mir und spazierte ins Frankenberger Viertel zu den jetzt „Frankenberger Höfe“ genannten Neubauten (s. Foto unten). Da, wo früher das Finanzamt Rothe Erde stand, wurden über 200 Wohnungen hochgezogen, die meisten ohne Wohnberechtigungsschein. Das Ergebnis: Nicht schlecht, aber viel zu teuer für mich. Wirklich absurd teuer, dafür, dass man in einer solchen Klotz-Anlage wohnen soll, finde ich. Bei der gegenwärtig laufenden Ausstellung im  Aachener Zeitungsmuseum (Pontstraße) könnt ihr ähnliche Gebäude unter dem Motto „Vorbildliche Bauten“ sehen. Nun ja, was die Architektenwelt für „vorbildlich“ hält.

Frankenberger Höfe Aachen

Eine feine Adresse ist das „Haus am See“ in Aachen, dort kann man toll (und teuer) essen und dabei auf’s Wasser schauen. Einmal wurde ich von einer großzügigen Dame dorthin eingeladen. Es schmeckte so gut, dass ich schließlich einen guten Freund überreden konnte . . .   Unten abgebildet: Die Nachspeise, Creme brûlée.

Haus am See Aachen

Das war in diesem Sommer die größte Überraschung: Das Hotel Total in der entwidmeten Kirche St. Elisabeth am Blücherplatz. Da geht wirklich die Post ab, bei der Eröffnung kamen 800 Leute (s. Foto unten). Die Kirche ist jetzt ein Gesamtkunstwerk, wo man auch übernachten kann. Das muss man gesehen haben. Es kommt innen übrigens auch der Original-Schriftzug eines altehrwürdigen Aachener Kinos (Gloria) gut zur Geltung.

Hotel total Aachen

Zum Schluss ein Hinweis: Wer gern Salsa oder Tango tanzt, ist sonntags ab etwa 18 Uhr in der Rotunde des Elisenbrunnen richtig. Macht ganz schön viel Spaß, auch das Zuschauen. Wer Tango lernen will: Wochenend-Workshop buchen unter Tel.: 18 24 667 in Aachen bei www.ina-tango.de

salsa tango Aachen

Schreib doch mal was über  . . . (diesunddas) sagen mir Leute und ich kann nur sagen: Mach ich gern, aber schreibt vielleicht besser selber. Falls es akzeptable Sachen sind, Veranstaltungshinweise oder was euch aufgefallen ist usw, das kann ich alles hier oder auf der Uebergangshymne reinstellen. Platz ist reichlich vorhanden. Und die paar hundert Leute, die auf meinen 2 Seiten mitlesen, kenne ich wohl alle zumindest vom Sehen und sind ok und schicken mir kein Spam und kein rassistisches Zeug.

Ein Großereignis jagt das nächste

Ist der Aachener vergnügungssüchtig? Man könnte es fast meinen, denn kaum nimmt ein Großereignis seinen Lauf, stehen meist tausende Öcher dabei und schauen zu. Heute beim CHIO. Der Aachener liebt sein Turnier, das ist mal klar.

Im Stadion des ALRV.
Im Stadion des ALRV.

Dabei versammelte sich erst kürzlich die halbe Stadt vor den öffentlich aufgestellten TV-Geräten, um eine andere Sportart in großen Gruppen zu erleben: die Fußball-Europameisterschaft.

In der Pontstraße
In der Pontstraße.

Auch wenn es gegen das Atomkraftwerk Tihange II geht, bleiben viele Aachener nicht einfach zu Hause. Mit Schirm und Charme geht’s in Richtung Europaplatz, denn aus Angst muss Empörung werden.

Auf dem Weg zum Europaplatz.
Auf dem Weg zum Europaplatz.

Und wer nicht gern demonstriert, der ließ sich zumindest den Geburtstag des Ludwig Forums für Internationale Kunst nicht entgehen.

Im Ludwig Forum für Internationale Kunst.
Im Ludwig Forum für Internationale Kunst.

Mal sehen, ob es nach dem Ende des Turniers eine Pause gibt. Ich werde berichten, bleibt dran.

Gruß aus Berlin

Berlin Aachen
In Berlin sorgt man sich um den Kaffee und seine Qualität.

Berlin und Kaffee, das ist eine Geschichte für sich. Im Berliner Tagesspiegel war jetzt zu lesen: „In Angelos Kaffeerösterei Kaffeepur gibt es neben Single Origins (alle Bohnen stammen aus einem Anbaugebiet) und Blends (Mischung aus verschiedenen Kaffees) eine Spezial-Edition Architektur.“

Die vier Kaffee-Blends sollen geschmacklich den Philosophien ihrer Namensgeber entsprechen: Oscar Niemeyer, Tadao Ando, Le Corbusier und Ludwig Mies van der Rohe. Letzterer bekanntlich aus Aachen gebürtig.  Da möchte man doch gleich nach Berlin aufbrechen und probieren.

„Geröstet wird im Hinterhof des Paul-Linke-Ufers 44a auf einer 60-jährigen Trommelröstmaschine, gebrüht auf einer Rocket R58“, schreibt die Zeitung in ihrem Checkpoint, den man allen Berlin-Fans zur Lektüre nur empfehlen kann. Im Shop im Eingangsbereich kann man frisch gerösteten Kaffee, Tee und Zubehör kaufen, aber auch Hüte und Mützen aus gebrauchten Kaffeesäcken (Mo-Sa 10-22 Uhr).

Dom, Rotdorne, Theater und eine neue App

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Der Dom von Aachen ist schon 1200 Jahr alt, und um den alten Kasten in Schuss zu halten (ein Juwel abendländischer Baukunst), musste man sich immer gewaltig anstrengen. Vor 30 Jahren wurde mit der Grundsanierung begonnen, jetzt ist sie abgeschlossen, das ist ein Grund zum Feiern. Heute, morgen und übermorgen geht es rund. Falls ihr gerade am Dom vorbeikommt: Es gibt Aktionen der Dombauhütte (Fotos oben).

 

Rotdorn Aachen

Da kann aus den Rotdornen (s. Foto) ja nichts werden, wenn sogar Garten-Experten den Bäumchen gefährlich nahe kommen und ihnen auf den Füßen (Wurzeln) rumstehen. Gesehen in der Jakobstraße. Rotdorne sind in Aachen bei einigen Menschen beliebt. Aber wie man sieht: Die Bäumchen haben auch ihre Feinde. Wer innerhalb der Baumscheibe parkt, verfestigt mit dem tonnenschweren Wagen den Boden so sehr, dass der hart wird wie Beton. Die Wurzeln bekommen weder Wasser noch Luft. Allerdings: Die Parkplatzknappheit in der Innenstadt fördert derartiges Verhalten sehr.

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Wer hätte das gedacht? Das Alemannia-Stadion an der Krefelder Straße ist doch nicht so baufällig, wie dieser Tage berichtet wurde. Die technischen Mängel sind mit einer überschaubaren Menge Geld zu beseitigen, heißt es jetzt. Gleichwohl ist das Stadion für einen Viertligisten reichlich überdimensioniert, wie die Müllverbrennungsanlage in Weisweiler übrigens auch. Neigt der Aachener zum Größenwahn? Alemannia-Fans, die Einzelheiten lesen wollen, besorgen sich den Lokalteil der Donnerstag-Ausgabe (2. Juni) der „Aachener Nachrichten“. Ich hab keine Lust mehr auf die Alemannia, schlechtest geleiteter Verein ever.

Theater Aachen

Das Stadttheater sucht einen neuen Generalmusikdirektor (GMD). Mit aussuchen dürfen ihn Aachener Kommunalpolitiker. Schade. Die ehrenamtliche Politiker sind zwar für ihren Einsatz nicht hoch genug zu loben (ohne Ironie), aber dass sie nun entscheiden könnten, wer für Aachen ein guter GMD wäre, das traut ihnen keiner zu, der auch nur für 2 Cent Kenntnis hat vom Charakter dieser Aufgabe. Es wäre wünschenswert, dass die Kommunalpolitiker diese Entscheidung ganz und gar Profis der Branche überlassen.

Zugleich durften wir dieser Tage erfahren, dass der ehemalige GMD von Aachen, Peter Raabe, von 1935 bis 1945 Präsident der Reichsmusikkammer, ab 1937 NSDAP-Mitglied und glühender Hitler-Verehrer war. Raabe ist Erfinder des Begriffs „Kulturorchester“, mit dem implizit insbesondere klassische Orchestermusik als „Kultur“ eingeschätzt wird. Jazz und Pop usw. nicht. Der Aachener Musikwissenschaftler Dr. Lutz Felbick will das herausgefunden haben. Die „Zeitschrift für Kulturmanagement“ und die Aachener Presse berichteten ausführlich. Lutz Felbick spricht heute, Freitag, 3. Juni, in der Aachener Klangbrücke im Alten Kurhaus, Kurhausstraße 2, über „Ist der NS-Rechtsbegriff Kulturorchester heute noch zeitgemäß?“

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Mit der App „Ankommen“ soll ein Beitrag zur erleichterten Integration von Flüchtlingen geleistet werden. Die App bietet Informationen und praktische Hilfe für Geflüchtete zu Asyl, Ausbildung, Arbeit und Leben in Deutschland. Die Informationen stehen seit Anfang des Jahres auf Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch sowie Farsi/Persisch zur Verfügung und werden laufend aktualisiert. Mit Hilfe eines integrierten Sprachkurses kann man damit sogar anfangen, Deutsch zu lernen. Rund 135.000 Menschen haben die App bereits heruntergeladen. – Die offizielle Website lautet: www.ankommenapp.de . Plakate oder Flyer zur App können kostenfrei über den Kurzlink www.bamf.de/app-material bestellt werden.

 

„Welcome to the Internet“. Fraktus in Stolberg.

Die Band Fraktus in Stolberg. Foto: Henning Brinkmann
Die Band Fraktus in Stolberg.                                         Foto: Henning Brinkmann

Es ist der helle Wahnsinn. Die Band Fraktus ist gestern in Stolberg im Zinkhütter Hof aufgetreten.

Das war der Start-Song: „Welcome to the Internet“. Gaaaaaaanz toll. https://youtu.be/nCG4SzThCl0

Das Konzert dauerte etwa anderthalb Stunden und war fast ausverkauft, an der Kasse lagen bis zuletzt noch einige wenige Karten. Die Texte, die gesungen wurden (in deutscher Sprache), sind skurril. Mir gefallen sie sehr, aber Henning Brinkmann, der das Foto oben gemacht hat, sagte: Lustig, aber nicht ganz meins.

Einige Titel von besonders schönen Songs: „Freunde sind friends“ (und müssen geliked werden). „All die armen Menschen“ (warum sind die da?), „Maler und Lackierer, sie haben Folie mitgebracht . . .“.

In Stolberg waren auch etliche richtige Fans von Fraktus, hatten bestimmt auch den Film gesehen.

Generell ist das Kulturfestival X von der StädteRegion mit seinen vielen unterschiedlichen Künstlern und Veranstaltungen eine schöne Sache. Und dann der Preis! 3,50 Euro im Vorverkauf für Fraktus und 5 Euro an der Abendkasse. So kommen Leute in ein Fraktus-Konzert, die sonst nie hin könnten, wenn es 30 Euro kosten würde.

brandt_76Alle möglichen Leute haben sich an dem Abend gewundert, „wen die da so bekommen“. Tja, das grenzt an ein Wunder, was für hochkarätige Künstler die „Stabsstelle Kultur“ in der Städteregion Aachen engagieren kann.

Am 4. Juni kommen Matthias Brandt und Jens Thomas in die Citykirche St. Nikolaus nach Aachen mit ihrer Wort-Musik-Collage „Angst“. Wer da rein darf (für 5 Euro), kann sich glücklich schätzen.

Neue Kunst knallt auf alte und macht die Betrachter froh

Ausgrabungen haus der Römerzeit, Ruinen einer Kirche und die von Gottfried Böhm entworfene und errichtete Marinekapelle sind Teil eines Museumsneubaus von 2007 in Köln.
Ausgrabungen aus der Römerzeit, Ruinen einer Kirche und die von Gottfried Böhm entworfene und errichtete Marienkapelle sind unter anderem Teile eines Museumsneubaus aus 2007 in Köln.

Eines der schönsten Museen des Rheinlandes, wenn nicht gar Deutschlands ist das Kolumba in Köln. Es ist ein Haus mit 22 Sälen, die sehr sparsam gefüllt sind mit Kunstwerken. Diese gehören zum Feinsten, was ich je gesehen habe. Das Museum wurde 2007 erbaut und war 2013 „Museum des Jahres“ (ausgewählt von der deutschen Sektion des Kunstkritiker-Verbandes, Präsidentin: Marie Luise Syring )

Das Haus und sein Konzept sind so angelegt, dass man sich außergewöhnlich gut auf die Werke konzentriert. Fast alle Arbeiten – moderne wie auch die mittelalterlichen und spätmittelalterlichen – sind so eindrucksvoll, dass es einen geradezu umhaut. Auf effekthascherische Ausstellungsarchitektur wurde verzichtet. Und nicht nur darauf.

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Es gibt in dem Museum keine Cafeteria und keinen Shop, neben den Kunstwerken befinden sich keine Erklärungen, Namensnennungen oder Titel. Die Werke hängen an den Wänden, Skulpturen stehen im Raum, und nichts lenkt ab, gar nichts. Die Säle sind hoch wie Türme, und die Verbindung nach draußen besteht ständig, weil es riesengroße Fenster gibt. Es gibt viel Tageslicht, keine aufwendige Lichtinszenierung.

Nur einmal im Jahr, immer am 15. September, wechselt die Kunst in allen 22 Räumen (1600 Quadratmeter Ausstellungsfläche). Nur sehr wenige Werke sind ununterbrochen vorzufinden.

Die derzeitige Ausstellung (zu sehen bis 22. August) hat den Titel „Der rote Faden. Ordnungen des Erzählens“. Es geht um den roten Faden bei

Aus einem Prospekt. In dem Museum selbst habe ich vor lauter Staunen mal wieder vergessen zu fotografieren.
Aus einem Prospekt. In dem Museum selbst habe ich vor lauter Staunen mal wieder vergessen zu fragen, ob man fotografieren darf.

Erzählungen, bei Narrationen. Eine Narration ist eine „große Erzählung“, sie berichtet davon, wie im Laufe der Jahre und Jahrhunderte über eine Angelegenheit gesprochen wird. Mit welchen Mitteln erzählt die bildende Kunst? Inwieweit unterscheiden sich ihre Strukturen und Inhalte von anderen Erzählformen, von der Literatur?

Die derzeitige Ausstellung konzentriert sich auf die Werke der eigenen Sammlung und zeigt unter anderem die spektakuläre Neuerwerbung eines spätgotischen „Christus in der Rast“. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht aber derzeit die Vita des heiligen Severin, ein mittelalterlicher Bilderzyklus. Sehenswert.

Dieses Museum vom Architekten und Pritzker-Preisträger Peter Zumthor erzählt von 2000 Jahren Baugeschichte. Es nimmt römische Fragmente und eine im Krieg zerstörte spätgotische Kirche an ihrem Fundort einfach in sich auf. Atemberaubend, wie in den oberen Etagen mittelalterliche Kunst und die Kunst der Moderne aufeinander prallen. Das wusste ich nicht, dass diese alte Kunst und die ganz neue so viel gemeinsam haben.

Natürlich hat es mich gefreut, eine Arbeit von Richard Sera, eine von Keith

Christus in der Rast, um 1480, aus dem Prospekt abfotografiert.
Christus in der Rast, um 1480, aus dem Prospekt.

Hering, Marcel Rodenbach (Video) und Victoria Bell wiederzufinden. In schönem Wechsel mit Werken der ganz alten Meister. Rebecca Horn, Anna und Bernhard Blume, On Kawara, Ilya Kabakov und Janins Kounellis habe ich sehr gern in dieser ungewöhnlichen Umgebung angeschaut. Eine richtige Entdeckung war aber Bethan Huws, das ist eine walisische Objektkünstlerin, die in Berlin lebt.

Ihr Thema ist die Sprache als Mittel der Verständigung. „Seit 1998 arbeitet Huws mit Wort-Vitrinen, handelsübliche Metallkästchen, versehen mit Glasfront und schwarzer Rückwand, die mit flexibel steckbaren, weißen Plastikbuchstaben der Vermittlung von Informationen aller Art dienen und sich zum Beispiel in Amtsstuben finden oder in Restaurants, um darin die Preise anzuzeigen. Huws füllt diese Kästen mit eigenen Inhalten.“ Und hier noch ein Video zu einer Ausstellung in der Schweiz.

Der Besuch dieses Museums lohnt sich sehr. Mehr als 60.000 Besucher werden angeblich pro Jahr gezählt.

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Kolumba. Kunstmuseum des Erzbistums Köln. Kolumbastraße 4 in Köln.

Geöffnet: täglich (außer dienstags!) von 12 bis 17 Uhr.
Eintritt: 5 Euro. Freier Eintritt bis 18 Jahre.
Kostenlos gibt es ein 20-seitiges Heft, in dem vieles erklärt wird.

www.kolumba.de

Leitungsteam / Kuratoren:

Dr. Stefan Kraus
Dr. Ulrike Surmann
Dr. Marc Steinmanne
Barbara von Flüe

Wer noch mehr lesen will: hier.