Viele Leute, Musik und gute Laune

Aachen, Egmont

Vor dem Café Egmont in der Pontstraße in Aachen (Foto oben) kommt Begeisterung auf. Innen spielt eine Reggae-Band, das passt zum Samstagabend, zum Sommer und zu den warmen Temperaturen. Direkt gegenüber gibt es Yoghurt-Eis, das ist voll lecker und leider auch etwas teuer. Der Laden ist eine Goldgrube, das Eis geht weg wie nichts. Gegenüber vom Egmont ebenfalls: ein kleines Restaurant. Dort im 1. Stock sitzen wir und haben aus dem Fenster rausfotografiert.

Ganz schön was los (Foto unten) in der Pontstraße vor dem Egmont. Kaum spielt irgendwo eine Band, sammeln sich die Leute.

aachen Egmont

Pflanzen? Nein danke.

Pflanze Aachen

Gut, man kann mir natürlich eine Pflanze schenken, wenn man meint, das müsste jetzt unbedingt sein. Es ist dann aber Scheiße, weil die Pflanzen bei mir nach sechs Wochen garantiert so aussehen wie die abgebildete.

Was ich auch mache, es gelingt mir nicht, dieses merkwürdige Grünzeug am Leben zu halten. Und ich sehe mittlerweile auch gar nicht ein, wieso ich mir damit jedes Mal so eine Mühe mache. Man schenke mir bitte einfach keine Pflanzen mehr und auch keine Blumen, wenn es sich irgendwie einrichten lässt.

Pflanzen, die sofort Selbstmord begehen, sobald sie mir überlassen werden, lassen mich nur frustriert zurück. Sehr unzufrieden und in dem Bewusstsein, versagt zu haben, schmeiße ich das Teil dann jedes Mal in den Restmüll. Wer mir eine Pflanze schenkt, tut mir keinen Gefallen, im Gegenteil.

Nur weil ich mal bei jemand eine Fensterbank voll Orchideen bewundert habe, will ich noch lange nicht selbst eine geschenkt bekommen. Leider gibt es in der Jakobstraße ein Blumengeschäft, nein zwei. Es bereitet mir Unbehagen, dort vorbeizugehen.

Bei den Schnittblumen denke ich an die Länder in Afrika, die sich auf Schnittblumen-Produktion konzentriert haben und denen man dann, nachdem sie nichts anderes mehr angebaut haben, die (niedrigen) Preise für diese Blumen diktiert. Eine Sauerei ist das. An sowas will ich im Leben nicht beteiligt sein.

Die Topfpflanzen in den Geschäften bereiten mir ebenfalls negative Gefühle. Ich weiß ja, dass nur die kerzengerade Gewachsenen in den Verkauf kommen. Ist mal eine Pflanze etwas krumm gewachsen, nimmt keiner sie mit. Auch das finde ich so ätzend, dass allein schon der Gedanke an sowas mir die Laune verdirbt.

Also: Pflanzen? Nein danke.

Notizen aus Aachen: Die Kunst, das Wasser und das Stadion

aachen hbf
Was wird aus diesem Gelände am Hauptbahnhof? Sollten dort nicht Wohnungen für Studierende gebaut werden? Lagen nicht schon konkrete Pläne vor? (Mitte Mai fotografiert von der Burtscheider Brücke aus)

Wer auf sein Anliegen aufmerksam machen will, muss sich was einfallen lassen. Die Stadtverwaltung in Aachen wollte ein kleines Bächlein in Haaren unter die Erde verlegen, die Anwohner wollten das nicht. Sie baten den Aachener Künstler Karl von Monschau um Hilfe. Der füllte Wasser des Bächleins in 50 kleine Flaschen ab, fügte noch ein wenig Blattgold hinzu und nannte das Ganze „Haarener Blattgold“. Jetzt wurden die kleinen Flaschen

"Haarener Blattgold" von Karl von Monschau, jetzt zu sehen im Fenster der Galerie Galerie von der Milwe
„Haarener Blattgold“ von Karl von Monschau, jetzt zu sehen im Fenster der Galerie von der Milwe

während der Sitzung des Rates der Stadt verteilt. Der Oberbürgermeister nach einer Weile: „Jetzt reicht es aber.“ Demnächst hat ein Richter das letzte Wort, denn die Haarener gehen für das Rinnsal vor Gericht.

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A propos Wasser: Bei der Neugestaltung des Nikolausviertels ist mal gar nicht die Rede von der Quelle „Großer Monarch“, die sich in dem Viertel befindet. Noch blubbert sie unter einem Hinterhof-Kanaldeckel vor sich hin. Soll das so bleiben? Der „Große Monarch“ ist eine der heißen Quellen, denen Aachen seinen Namen verdankt und die die Stadt berühmt gemacht haben.

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Die Bahn verkehrt ab sofort sechs Wochen lang nicht mehr zwischen Aachen und Düren – in beiden Fahrtrichtungen. Der Grund: Gleisbauarbeiten. Busse bringen die Reisenden von Aachen (ab Hackländerstraße) nach Düren. Von dort geht es dann weiter mit dem Zug zum Flughafen und ab da in die Ferien. Fahrräder dürfen übrigens im Bus nicht mitgenommen werden. Wichtig: Stolberg, Eschweiler und Langerwehe sind auch während der Bauzeit per Bahn zu erreichen.

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Kunst. Eigentümer ist allerdings nicht das Land NRW und auch nicht der WDR.
Kunst. Eigentümer ist allerdings nicht das Land NRW und auch nicht der WDR.

Die Kunstschätze der ehemaligen WestLB werden übrigens nicht verkauft. West LB-Nachfolgerin Portigon, eine Stiftung, ein Museum und eine Bank drehen die Sache so, dass die 380 Kunstwerke und drei Musikinstrumente im Besitz des Landes NRW bleiben. Und das Land NRW, also wir alle, zahlen pro Jahr 300.000 Euro an Zinsen für den Kredit, der in der Angelegenheit aufgenommen werden musste. Damit die Bilder, die wir schon mal bezahlt haben, in unserem Besitz bleiben. Schön blöd.

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Auch der WDR ist im Besitz von Kunst. 600 Werke sollen in den Fluren des Senders hängen, 50 sollen in London versteigert werden, damit man mit den Rundfunkgebühren auskommt und das Programm anspruchsvoll bleibt. Schön wär’s, aber gegen die Versteigerung erhebt sich Widerspruch. NRW-Ministerin Ute Schäfer hat sich schon eingemischt. Ich werde demnächst davon absehen, Kunst zu kaufen. Sie ist ja anscheinend neuerdings unverkäuflich.

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Zwei Millionen Euro kostet die Stadt Aachen, also uns alle, pro Jahr das Stadion der Alemannia (an Unterhaltskosten). Jetzt wurde ausgehandelt, dass der Verein 12.500 Euro Miete im Monat zahlen muss. Das sind 150.000 Euro im Jahr. Nach einem Aufstieg in die 3. Liga wären 25.000 Euro pro Monat fällig. Nach einem Durchmarsch in die 2. Liga würden die Schwarz-Gelben 800.000 Euro im 1. Jahr zahlen müssen. Danach 1,3 Millionen Euro. Außerdem kämen – aber sich darüber Gedanken zu machen ist völlig überflüssig – ab dem 2. Jahr in der 2. Liga noch Erlöse hinzu.

Raus aus der Stadt, hinein ins Grüne

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Spazierengehen am Lousberg, unter den Blättern dicker Bäume, das erfrischt. Von der Aachener Innenstadt aus ist man mit dem Auto in 10 Minuten mitten im Grünen. Touristen gibt es dort gar nicht, nur einzelne Spaziergänger und ab und zu mal einen Jogger. Die Wege sind rund um Aachen außerordentlich gut gepflegt. Und die Farbe Grün lässt sich in allen nur möglichen Nuancen erleben.

Oben auf dem Lousberg, der an dieser Stelle Salvatorberg heißt,  befinden  sich unter anderem eine Kirche, die gerade restauriert wird und ein Gebäude (s. unten) , das mal ein Kloster war. Heute ist es ein Gästehaus und gehört dem Sozialwerk Aachener Christen. Wer dort Gast sein darf, ist mir nicht bekannt. Es gibt auch einen ehrenamtlich tätigen Verein, der sich um den Erhalt von Kirche und Kloster bemüht.

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Das Foto unten entstand nicht am Lousberg, sondern in einer ganz anderen Ecke Aachens: An dem Sportplatz Adenauerallee, wo demnächst Flüchtlinge in Containern wohnen werden. Die Gegend ist im Grunde ein Paradies für Spaziergänger. Es ist schön, einmal direkt links vom Sportplatz in den Wald hinein zu gehen.

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Mit vielen Fragen geht es in die Sommerpause

luftqualität Aachen
Mitten in Aachen in der Wilhelmstraße wird die Qualität der Luft gemessen. Die Ergebnisse sind niederschmetternd.

Hier die Themen/Fragen, die uns in der Sommerpause und bestimmt auch noch darüber hinaus beschäftigen werden. Wahllos zusammengestellt. 

Wie viele Container wird die Stadt Aachen denn nun dieses Jahr aufstellen (müssen)? Für 70, 90 oder 500 Menschen? Und wo werden diese Container stehen? Werden sich die Ereignisse und vor allem die Zahlen der ankommenden Flüchtlinge so überschlagen, dass auch noch Turnhallen als Schlafstätten in Betracht kommen? Warum wurde nicht bereits vor zwei Jahren, als sich die Flüchtlingswelle abzeichnete, mit der Planung von preiswerten Wohnungen begonnen?

Werden die Jugendlichen in den Wohncontainern in Burtscheid freies W-LAN bekommen? Wird es gelingen, dort Freifunk zu aktivieren? Wird die Verwaltung ihre Geringschätzung gegenüber dem Aufbau eines Freifunk-Netzes in Aachen aufgeben?

Was wird aus dem Radschnellweg Aachen, Kohlscheid, Herzogenrath, Heerlen? Die Strecke wird wegen der täglichen Blechlawine zunehmend unbefahrbar. Wird eine relevante Zahl von Autofahrern nach Fertigstellung des Radschnellweges das Auto stehen lassen und sich Fahrräder kaufen? Schön wäre es. (Dazu s. unten: lesenswerte Anmerkung.)

luftqualität AachenWas wird aus dem Aachener Altstadtquartier Büchel? Die Antoniusstraße soll verkürzt und ein Laufhaus errichtet werden. Das Parkhaus soll abgerissen und kleinteilige Bebauung bevorzugt werden. Wird der Städtebau-Wettbewerb gute Ergebnisse bringen? Und wird die Finanzkraft der Investoren reichen, das Gelände dort zu bebauen? In welchem Zeitraum? Wird es nach Abriss des Parkhauses an Parkplätzen fehlen? Wird dort Aachens uralte Badekultur mal wieder unter die Räder kommen?

Der Campus wird gebaut, wird dieses neue Stadtviertel an die Innenstadt irgendwie angebunden oder wird das ein für sich allein existierender Fremdkörper sein/bleiben? Kann Aachen es nach Jahrzehnten schaffen, sich als „Wissensstadt“ zu präsentieren? Oder bleiben die zwei Teile weiterhin getrennt? Die Vorschläge zur Verbindung der beiden sind dünn und dürftig.

Was wird aus dem Musikbunker? Er ist für Aachen viel bedeutender als das, was jetzt Architekten in unmittelbarer Nähe errichten wollen. Mit dem Bunker verschwände ein unersetzbarer Teil der Aachener Jugendkultur. Der Bunker ist in Gefahr, weil seine Gäste nachts und am frühen Morgen naturgemäß laut sind, und die Anwohner sich vor Gericht durchsetzen können. Wenn nun auch noch die letzte Seite zugebaut wird mit Wohnungen, wird der Bunker keine Chance mehr haben.

Wird es gelingen, die unkontrollierte Geldausgabe in den beiden Aachener Museen zu stoppen? Ludwig Forum und Suermondt-Ludwig-Museum sind finanziell zwei Fässer ohne Boden, die jeweilige Leitung dieser Häuser konnte bisher nicht gebremst werden. Wird es gelingen, dem einen doch noch zu kündigen und für das andere Haus eine passende neue Leitung zu finden?

Was in aller Welt wird aus der Müllverbrennungsanlage in Weisweiler, dieses überdimensionierte Ding, das einmal verantwortungslose Leute gegen den Rat aller Vernünftigen bauen ließen und das wir mit viel zu teuren Müllgebühren dann finanzieren mussten? Werden dort weitere Millionen investiert wegen Umtrieben, die nur schwer zu begreifen sind?

Was wird aus dem belgischen Atomkraftwerk in Tihange? Uralt und mit tausenden Rissen, die immer länger und tiefer werden? Werden auf deutscher Seite Politiker das Stehvermögen haben und gegenüber den Belgiern klare Kante zeigen? Oder wird man wieder memmenhaft mit den Schultern zucken und sich bequem, faul und konfliktscheu einreden, man könne ja sowieso nichts machen?

Kann Aachen Fortschritte machen in Sachen Inklusion? Und wird man verstehen, dass Inklusion sich nicht nur auf behinderte Menschen bezieht, sondern auf alle, die heimlich oder offen, leise oder laut ausgeschlossen und abgeschnitten sind vom gesellschaftlichen Leben, vom Lernen, vom Arbeiten und den guten Jobs in Unternehmen und Verwaltung?

Wird es endlich gelingen, einen Weg zu finden, wirkungsvoll die giftigen Substanzen in der Aachener Luft zu verringern? Oder wird sich die Stadt mit der Bezirksregierung vor Gericht streiten, verlieren und viel Geld für Anwälte ausgeben?

O.k so könnte es noch ein bisschen weitergehen . . . keine Pointe.

„Unorte“ und Vorzeige-Orte

In Aachen gibt es viel zu sehen, wenn man sehen kann. Das Sehen kann man lernen, und dann fallen einem die „Unorte“ auf, die hier in einer  kleinen Serie unter dem Titel „Aachen von hinten“ zusammengefasst sind. Mich wundert es sehr, wie viel Platz den Autos eingeräumt wird. Abseits von den Straßen, meine ich. Überall dürfen sie stehen – in Garagen oder auch außerhalb davon, und sie machen zusammen mit den Mülleimern einen Ort zu einem hässlichen Ort. Kinder dürfen sich dort natürlich nicht aufhalten, sie könnten die Wagen beschädigen, und das empfinden die Autobesitzer als großes Unglück.

Hinterhöfe in Aachen, hier: Jakobstraße.
Aus der Serie „Aachen von hinten“, hier: Jakobstraße.
Aachen luetischer Straße
Aachen. Untere Lütticher Straße.
aachen Theaterstrasse
Aachen, Theaterstraße

Mit etwas Glück darf man einen Blick in die Theresienkirche in der Pontstraße werfen. Es ist Aachens einzige Rokoko-Kirche. An einem Sonntag war die Türe ausnahmsweise geöffnet, weil dort Menschen aus Rumänien eine Messe feierten. Es war uns zunächst nicht gelungen zu hören, in welcher Sprache der ganz in Goldfarbe gewandete Geistliche sprach. Später konnte ich jemand fragen.

aachen Theresienkirche
Sehr sehenswert: Die Theresienkirche von innen. Die Kirche brannte im 2. Weltkrieg aus und wurde danach original wiederhergestellt. Sie spielt in einer Geschichte von Heinrich von Kleist eine wichtige Rolle.

Das Foto (oben) gibt den Goldglanz-Effekt nur unvollkommen wider, man ist in der Kirche geradezu geblendet. Wie ein Schmuckkästchen glänzt unterdessen auch ein Laden in der Pontstraße, in dem es Printen in allerlei Ausführungen zu kaufen gibt. Weich und hart, mit Schokolade und ohne, es ist ein großes Angebot. Printen sind eine Aachener Spezialität, Aachener essen sie im Winter um die Weihnachtszeit. Printen im Sommer zu essen, das kommt uns „falsch“ vor.

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Einer von zahlreichen Printenläden, die es in Aachens Innenstadt gibt. Printen, einst eine Speise armer Leute, werden in der Pontstraße sehr veredelt angeboten.

Das Presseamt der Stadt bittet um journalistisch Auswertung. Machen wir gern:

„Mille Voix“ lautet das Motto der 4. Internationalen Chorbiennale in Aachen, die sich vom 31. Mai bis zum 14. Juni mit über 35 Konzerten und Veranstaltungen in der Stadt präsentiert. Deren Programm stellte jetzt Ansgar Menze, der Künstlerische Leiter der Chorbiennale, gemeinsam mit Professor Fritz der Wey aus dem Künstlerischen Beirat und gleichzeitig Leiter einer der Initiativchöre vor. Rund 1800 Sängerinnen und Sänger aus Aachen und Umgebung nehmen 2015 an der Chorbiennale teil. Zudem sind Chöre aus Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Lettland, der Ukraine, aus St. Petersburg und den USA zu Gast in Aachen. Einzelheiten dieser 4. Internationalen Chorbiennale entnehmt ihr der Festivalbroschüre, die auch in gedruckter Form an der Festivalkasse im Theater vorliegt.  Weitere Infos zur Chorbiennale 2015 gibt es im Internet unter www.chorbiennale.com

Kläger will Versammlungsrecht durchsetzen und scheitert vorerst

Aachen Haibaches Forst Braunkohle
Seit April 2012 haben Aktivisten am Rand des Braunkohletagebaus eine Wiese besetzt. Der Eigentümer der Wiese duldet das, er lässt die Wiese nicht räumen und musste sich deshalb schon mehrfach vor Gericht verantworten.

Zu tumultartigen Szenen kam es am 21. Mai in einem Aachener Gerichtssaal. „Shame on you“ und „schämt euch“ riefen die jungen Leute, die mit dem Urteil der 5. Kammer des Verwaltungsgerichts Aachen unter Vorsitz von Richterin Brunhilde Küpper-Aretz nicht einverstanden waren.

Die Kammer – bestehend aus drei Berufsrichterinnen und zwei Schöffen – befand, dass der Eigentümer einer Wiese bei Morschenich (Kreis Düren) im Unrecht sei. Und dass der Kreis Düren am 22. März 2013 zu Recht eine Ordnungsverfügung gegen den Mann erlassen hatte. Kurt Claßen, der Eigentümer einer Wiese ist, auf der Waldbesetzer ein Protest-Camp errichtet haben, kann sich mit seiner Duldung der Besetzer-Gruppe nicht auf das Versammlungsrecht berufen. Seine Klage wurde abgewiesen, er wird  dagegen Berufung einlegen.

Verhandelt wurde in Saal 9, in einem von zwei extra großen Sälen des Gerichtsgebäudes. Das war gut so, denn knapp 50 Aktivisten, die den Hambacher Forst vor den Baggern des RWE retten wollen, waren dort

Braunkohle Hambacher Forst
Vor dem Gericht sowie innen waren Polizisten jederzeit einsatzbereit.

erschienen. Und mit ihnen mindestens dreimal so viele Polizisten in Kampfuniformen und mit Schlagstöcken. Die Naturschützer wurden am Eingang intensiv gefilzt, so dass der letzte erst den Gerichtssaal erreichte, als die Verhandlung schon gut 20 Minuten im Gange war. Vor dem Gerichtsgebäude hatten die Waldbesetzer eine Art Lager mit einem Zelt aufgebaut. Dort verteilten sie nach der Verhandlung Suppe und legten Transparente aus.

Begonnen hatte die Verhandlung mit einer Darstellung des Streitfalles, wie er aus den Akten ersichtlich ist. Der Kläger (Kurt Claßen) habe der Protestbewegung  sein Grundstück am Rande des Hambacher Forst zur Verfügung gestellt. Die Aktivisten hätten darauf 19 Zelte, Bauwagen und Hütten errichtet, so wurde verlesen. Trotz mehrerer Bescheide habe Claßen nicht dafür gesorgt, dass auf seiner Wiese die Bauten entfernt werden. Er ist der Ansicht, dass die Aktivisten ihr Versammlungsrecht wahrnehmen und dieses ihnen nicht genommen werden dürfe.

Haarklein legte Claßen dar, dass die Wiese nicht vorrangig zum Wohnen genutzt wird. Das Camp sei ein zentrales Symbol des Protests, es symbolisiere die Menschen, die wegen des landschaftsfressenden Braunkohleabbau aus ihren  Häusern und von ihren Höfen vertrieben wurden. Er sprach auch ausführlich über ein zweites, ganz anderes Verfahren vor dem Kölner Finanzgericht. Dieses führe „einen Vernichtungskrieg“ gegen ihn und habe bewirkt, dass „ich mich nicht richtig auf das Aachener Verfahren vorbereiten konnte“. Er forderte das Gericht auf, sich für befangen zu erklären. Das Gericht lehnte ab.

Claßen stand in der Angelegenheit schon mehrfach vor Gericht. Zuletzt hatte das Oberverwaltungsgericht entschieden, dass einmal grundsätzlich geklärt werden müsse, ob nicht das Versammlungsrecht Vorrang hat vor dem Baurecht, das der Kreis Düren durchsetzen will. Das Baurecht sieht vor, dass auf der Wiese keine Bauten oder ein Zeltplatz errichtet werden dürfen.

Das Versammlungsrecht ist ein Grundrecht. Was genau eine Versammlung ist, definierte die Richterin im Verlauf der Verhandlung. Sie führte aus, dass in einem ähnlichen Fall ein Roma-Lager vor dem NRW-Landtag als Mittel des Protests anerkannt wurde und unter das Versammlungsrecht gefallen sei. Allein: Im Falle  des Camps in Morschenich kam das Gericht nach 45-minütiger Beratung zu einer anderen Einschätzung. Eine ausführliche Begründung werde nachgereicht, sagte die Richterin.

Die Verhandlung wurde von mindestens vier TV-Teams begleitet. WDR und RTL durften vor Beginn der Verhandlung filmen. Während der Verhandlung durften keine Aufnahmen gemacht werden.

braunkohle, Gericht Haibaches Forst
Die Aktivisten machte vor dem Gerichtsgebäude auf vielfache Weise auf sich und ihr Anliegen aufmerksam.

Das Grashaus: Rathaus, Kerker, Archiv, Europahaus

Grashaus Aachen
Das Grashaus, von der Schmiedstraße aus betrachtet: Die Fassade ist mittelalterlich, der Rest eher nicht.
Grashaus Aachen
Das Treppenhaus mit Zeichnungen des Berliner Künstlers Andree Volkmann.
Das Grashaus in der Schmiedstraße war mal Rathaus, mal Gefängnis und am Ende (seit 1890) Stadtarchiv. Es wurde im 2. Weltkrieg stark zerstört. Seit 1267 steht es im Zentrum der Stadt, aber von der Bausubstanz aus jener Zeit ist nur die Fassade erhalten, und von dieser auch wiederum nur Teile. Der Rest stammt aus dem 19. Jahrhundert.
Das Stadtarchiv zog vor einigen Monaten in denReichsweg (ehemalige  Rheinnadel Fabrik), das  Grashaus wurde danach restauriert und am vergangenen Wochenende wiedereröffnet. Man konnte es nun im Rahmen

Grashaus Aachen
Verbindung zwischen dem Vorderhaus (l.) und dem neueren Teil (r.) der Anlage. Alles ist dort (innen und außen) eng und schwer zu fotografieren.

von Führungen besichtigen. Das Haus ist wirklich sehenswert, es wurde von Besuchern überrannt. Ohne Pause wurden die Menschen rundgeführt, in Gruppen zu jeweils 15.

Das Grashaus ist jetzt ein Europa-Haus, denn thematisch geht es innen ausschließlich um Europa – ein Riesenthema, das dort Schülerinnen und Schülern nahegebracht werden soll. Früher war das Grashaus wohl doppelt so groß wie heute. Der 2. Weltkrieg hat es quasi halbiert. Trotzdem: Man sollte es gesehen haben.

Innen hat der KünstlerAndree Volkmann aus Berlin die Wände schwarz auf weißem Grund bemalt. Sehr ungewöhnlich. Klar, dass der Leiter des Hauses

grashaus Aachen
Urkundenschränke, für die ein bestimmtes konstantes Raumklima herrschen muss.

stolz darauf ist, dass er in dem alten Kasten mit einer so modernen Wandgestaltung überraschen kann. Da knallt Modern auf Alt und passt gut zueinander.

Innen gibt es einen Arbeitsraum für ein Team, der ist technisch sehr gut ausgestattet. Sodann ist ein imposanter Urkundensaal vorhanden mit Schränken, die zugleich Lesepulte sind. Und ein Kreuzgewölbesaal im Erdgeschoss.
Der Umbau hat 2,73 Millionen Euro gekostet (Quelle: Aachener Nachrichten). Das Geld wurde von der Stadt Aachen, dem Land NRW, dem Bund und der EU aufgebracht. Das Haus ist  Teil der „Route Charlemagne“. Das ist ein Weg, auf dem die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Museen im Umfeld der historischen Pfalz Karls des Großen zu besichtigen sind.

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www.grashaus-aachen.eu

http://www.route-charlemagne.eu/Startseite/index.html

 Anmeldung für Besichtigungen/Führungen unter Tel.: 0241 / 432 4998

Grashaus Aachen
Wände und Decke im Urkundensaal sind wunderschön.
grashaus Aachen
Wirklich viel zu prächtig für eine Nutzung als Stadtarchiv! Gut, dass das endlich umgezogen ist. Die Optik stört allein die Klimaanlage, die muss aber sein, damit die alten Schränke keinen Schaden nehmen. Wegen des Klimas dürfen im übrigen nur 15 Personen den Raum gleichzeitig betreten.
Grashaus Aachen
Ein weiterer Raum im Erdgeschoss mit Multimedia-Animation.
Grashaus Aachen
Hier wird „Unterricht“ der vermutlich etwas anderen Art stattfinden.