
Die anhaltende Trockenheit hinterlässt deutliche Spuren an den Stadtbäumen. „Wir beobachten leider, dass ältere Bäume, die seit Jahren am Standort etabliert sind, plötzlich trockenstehen und absterben“, beschreibt Nino Polaczek-Keilhauer, Teamleiter der Baumpflege des Aachener Stadtbetriebs. Dieses punktuelle Phänomen zeige sich im gesamten Stadtgebiet, sowohl bei Straßenbäumen als auch in Parks und Grünflächen. Die betroffenen Bäume sind abgestorben, dadurch nicht mehr verkehrssicher und müssen schrittweise gefällt werden.
Im sogenannten Trockenstress, einer Phase, die bei Bäumen bei anhaltender Trockenheit eintritt, entwickeln Bäume Strategien, um sich zu schützen. Einige Baumarten lassen ihre Blätter hängen oder rollen sie ein. Andere werfen ihre Blätter ganz ab oder gehen dazu über, einzelne Äste nicht mehr zu versorgen, wodurch diese sukzessive absterben. Über diese Trockenstress-Phase sind die betroffenen Bäume in Aachen bereits hinaus.
Feinwurzeln sterben ab und werden nicht neu gebildet
Denn die seit Wochen anhaltende Trockenheit führt dazu, dass die obere Bodenschicht von dreißig bis fünfzig Zentimetern ausgetrocknet ist. Das ist der Bereich, der von Bäumen hauptsächlich durchwurzelt ist und Wasser und Nährstoffe zur Verfügung stellt. „Diese oberste Bodenschicht ist erst durchnässt, wenn es mehrmals 15 Liter pro Quadratmeter geregnet hat. Das war in unserer Region in den vergangenen vier Monaten nur zwei Mal der Fall“, erläutert Nino Polaczek-Keilhauer. Der Boden kann 150 bis 200 Liter Wasser je Kubikmeter speichern; diese Speicher sind leer.
Bäume ziehen mit ihren Feinwurzeln unaufhörlich Wasser. Ist das nicht mehr möglich, lebt der Baum kurzfristig von seinen Wasserreserven aus den Starkwurzeln und dem Stamm. Diesen Speicher füllt der Baum bereits vor seinem Austrieb im Frühjahr. Während der Vegetationsperiode benötigt er verfügbares Wasser aus dem Boden, um sich zu versorgen und weiter zu wachsen, bevor er im Herbst beginnt, seinem Speicher Wasser zu entziehen und im Winter in die Ruhephase übergeht.
Erhält der Baum im Sommer kein Wasser mehr, kann es dazu kommen, dass er abstirbt. Optisch fällt das für den Menschen zuerst bei sich kräuselnden oder herabfallenden Blättern auf; die Zellen innerhalb des Baumes sind jedoch gleichermaßen betroffen. Hinzu kommt, dass sich Feinwurzeln, die, je nach Baumart, nur wenige Wochen leben und kontinuierlich neu gebildet werden, nicht weiter entwickeln können. „Das bedeutet, selbst, wenn später wieder Wasser verfügbar wäre, sind unter Umständen nicht mehr genug Feinwurzeln am Baum, um ihn ausreichend zu versorgen“, verdeutlicht Nino Polaczek-Keilhauer.
Schäden zeigen sich in den Folgejahren
„Besonders problematisch wird es, wenn sich mehrere Trockenperioden innerhalb eines Jahres wiederholen. In diesem Fall fehlt dem Baum die Zeit zur Regeneration, was seine Widerstandskraft langfristig deutlich schwächt“, betont Andreas Schulz, Leiter der Baumpflege des Aachener Stadtbetriebs. „Es wird auch Bäume geben, die sich dieses Jahr noch durch Wasserreserven im Boden regulieren können, so jedoch geschwächt in den Herbst und Winter kommen. Dann treiben sie aber im nächsten Jahr nicht mehr aus, weil sie einen zu hohen Wurzelverlust erlitten haben und nicht ausreichend Assimilate einlagern konnten“, erklärt Andreas Schulz. Auch könne es vorkommen, dass die Baumrinde wegen der mangelnden Wasserversorgung rissig wird oder im späteren Verlauf abplatzt, wodurch Krankheitserreger und Pilze leichter eindringen und den Baum schädigen können.
Die Auswirkungen anhaltender Trockenperioden zeigen sich ebenfalls an einigen Standorten. Die vergangenen, sich wiederholenden Hitzesommer haben auf die Bäume eingewirkt, sodass sie sich über mehrere Jahre hinweg nicht mehr regulieren konnten. Die Bäume starten somit in die neue Hitze-/ und Trockenphase unter schlechten Voraussetzungen, der Trockenstress setzt früher ein und hält länger an. Die betroffenen Bäume zeigen nun verspätet Symptome, sind komplett ausgetrocknet oder von Schädlingen befallen.
Die Parameter, warum bestimmte Bäume von der Trockenheit stärker betroffen sind als andere, sind derzeit noch ungeklärt. „Wir haben Baumreihen mit den gleichen Standortbedingungen, der gleichen Baumart und dennoch sind nur ein oder zwei Bäume dabei abgestorben und die restlichen vital“, erläutert Schulz. Es könne zahlreiche Erklärungen geben: Unterschiedliche Verdichtungen im Boden, verlegte Leitungen, Schädigungen im oder am Baum – „das ist an dieser Stelle spekulativ“. Das Team Baumpflege des Stadtbetriebs wird in den kommenden Monaten die Meldungen zu betroffenen Bäumen auswerten, und versuchen herauszufinden, welche Parameter ausschlaggebend waren, um diese, sofern möglich, zu verändern. Um Situationen, wie sie sich aktuell abzeichnen, entgegenzuwirken, „achten wir seit Jahren darauf, bei den Neupflanzungen Arten auszuwählen, die besser mit Hitze zurechtkommen“, sagt Andreas Schulz.
Grünastbrüche bei extremer Trockenheit
Das Phänomen der sogenannten Grünastbrüche tritt aktuell ebenfalls vermehrt im Stadtgebiet auf. Diese Brüche sind unvorhersehbare Ereignisse, die auch bei völliger Windstille auftreten können. Sie entstehen, wenn die Wasserversorgung in den Ästen durch extreme Trockenheit nicht mehr ausreicht. „Grundsätzlich kann sich der Baum hierbei noch komplett mit Wasser versorgen, aber insgesamt steht ihm zu wenig Wasser zur Verfügung“, erklärt Nino Polaczek-Keilhauer. „Die zu geringe Wassermenge reicht dann vereinzelt nicht aus, um alle Äste weiter zu versorgen. Der Zelldruck und die Spannung im Holz lassen nach, was zum plötzlichen Abbrechen auch von voll belaubten Ästen, die augenscheinlich gesund und voll versorgt sind, führt.“ Die Wahrscheinlichkeit von Grünastbrüchen ist abhängig von der Baumart, der jeweiligen Vitalität und dem Standort. Um möglichen Schäden vorzubeugen, sollten Bürgerinnen und Bürger besonders aufmerksam sein, um unnötige Risiken zu vermeiden. Dies gilt im Bereich von Straßenbäumen ebenso wie im Wald, wie Dr. Gerd Krämer, Leiter des Gemeindeforstamtes der Stadt Aachen sagt. „Die Phänomene lassen sich auch im Wald beobachten, die Bäume leiden bei der anhaltenden Trockenheit hier gleichermaßen.“
Blumen- und Staudenbeete in den städtischen Grünflächen
Die Staudenflächen verkraften die aktuelle Trockenheit deutlich besser als die mit Wechselflor bepflanzten Flächen. Bis zu drei Mal wöchentlich werden die Blumenbeete von den städtischen Grünpflegekolonnen derzeit gegossen. „Dabei hat sich gezeigt, dass wir Staudenflächen nicht so häufig anfahren müssen“, erklärt Michael Blankenheim, Teilbereichsleiter Stadtgrün und Bezirke im Aachener Stadtbetrieb. „Die Staudenflächen benötigen weniger Wasser, da Stauden tiefe Wurzeln bilden und demnach an größere Wasservorkommen im Boden gelangen. Zudem sind Stauden resistenter gegenüber Trockenheit. Durch den dichten Stand beschatten sie den Boden flächiger und schützen diesen vor Austrocknung. Und natürlich benötigen Stauden weit weniger Wasser als Bäume.“
Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger ist gefragt
Um die Jungbäume zu unterstützen, gießt das Team der Baumunterhaltung aktuell wöchentlich rund 2.400 Straßenbäume, darunter alle Neupflanzungen der vergangenen drei Jahre sowie jene gepflanzten Bäume der vergangenen fünf Jahre, die auffällig erscheinen. „Wir freuen uns über jede Unterstützung“, sagt Andreas Schulz. „Bürgerinnen und Bürger helfen, indem sie Bäume in der eigenen Wohnstraße mit Wasser versorgen. Leitungs- und Regenwasser sind gleichermaßen geeignet. Dabei gilt: Zu viel gibt es nicht, und jeder Eimer oder jede Gießkanne zählt.“
Quelle: Stadt Aachen, Fachbereich Kommunikation und Stadtmarketing